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Aneurysmen und ihre Familie

 

Aneurysmen können nach ihrer Form bzw. ihrer Lage eingeteilt werden.

So unterscheidet man beispielsweise das Hirn, Aorten- oder Herzwandaneurysma und unter den Formen das Aneurysma verum, Aneurysma spurium oder falsum und das Aneurisma dissecans, bei dem sich das Blut eine neue Bahn zwischen den Schichten der Gefäßwand schafft. Diese Form ist also eigentlich kein Aneurysma. Auch das Aneurysma spurium ist keine echte Gefäßaufweitung, sondern die Leckage der Blutbahn wird durch ein Hämatom abgedichtet, verursacht durch in den Extravasalraum eindringendes Blut. Beim Aneurysma verum kommt es zur Ausweitung der gesamten Gefäßwand. Einen Riss der geschwächten Arterie überleben nur zehn bis 30 Prozent der Betroffenen.

Ursachen für Aneurismen

In den meisten Fällen - nämlich 80 Prozent - ist Arteriosklerose Verursacher für Aneurysmen. Entzündungen, Infektionen, Bindegewebsschwäche und Traumata bedingen somit einen relativ geringen Anteil der Aneurysmen. Betroffen sind vor allem Männer ab dem 50. Lebensjahr: Fünf bis sechs Prozent der über 60jährigen sind Aneurysmaträger und nur 1,7 Prozent der Frauen. Bei fünf bis sieben Prozent der Betroffenen bilden sich Aneurysmen gleich an mehreren Stellen. Aneurysmen in den Gliedmaßen sind wegen ihrer thromboembolischen Gefährdung mit irreversiblen Gefäßschäden brisant. Bluthochdruck und Rauchen gelten als vermeidbare Risikofaktoren für Aneurysmen. Das Risiko für ein Aneurysma steigt alle 10 Jahre um ca. sechs Prozent.

Der Feind wird eingekreist

Aneurysmen werden überwiegend bei Routineuntersuchungen oder durch Abklärung der Bauchhöhle entdeckt. Während periphere Aneurysmen sichtbar und auch ertastbar sind, was auch für das Bauchaortenaneurysma schlanker Menschen gilt, bietet die Ultraschalluntersuchung eine einfache und geeignete Methode zur Feststellung eines Aneurysmas. Näheren Aufschluss über Beschaffenheit und reproduzierbare Werte beispielsweise zur Simulation bietet die Computertomographie, aber auch die Angiographie wird zum Nachweis von Aneurysmen und Verschlusskrankheiten eingesetzt.

Die Zeitbombe entschärfen

Ein Aneurysma wird endovaskulär oder chirurgisch behandelt. Dabei sind Nutzen und Risiko gründlich abzuwägen und die individuellen Faktoren zu berücksichtigen wie beispielsweise der Gesundheitszustand des Patienten sowie Lage, Größe und anatomischer Kontext des Aneurysmas. Bei einem Hirnaneurysma rechtfertigt ein Durchmesser über 7 mm eine Therapie – wenn der individuelle Zustand des Patienten dies zulässt. Beim Aortenaneurysma ist eine Therapie bei einem Durchschnitt von 50 bis 55 mm angeraten, wofür verschiedene Operationsverfahren angewendet werden. Als Risikofaktoren für ein Aortenaneurysma gelten neben Bluthochdruck und starkem Übergewicht auch Diabetes, sehr hohe Cholesterinwerte und Rauchen.

Dem Hirnaneurysma kommt man endovaskulär mit sehr feinen Spiralen bei, die eine Embolisation verursachen und somit eine Blutzirkulation im Aneurysma unterbinden. Dieses Verfahren nennt sich Coiling und ist das bevorzugte, weil ein neurochirurgischer Eingriff mit seinen Gefahren vermieden wird. Neurochirurgisch begegnet man dem Aneurysma mit Clipping, wobei ein Clip das Aneurysma von der Blutzirkulation trennt, oder mit Wrapping, bei dem das Aneurysma umwickelt und so die geschwächte Arterienwand gestärkt wird. Die Patienten erfreuen sich nach überstandener Therapie einer guten Prognose. Wird ein Hirnaneurysma nicht behandelt, kann es zu den gleichen Nebenwirkungen wie ein neurochirurgischer Eingriff kommen, oder sogar zur tödlichen Hirnblutung.

Übrigens kannten schon die alten Ägypter das Aneurysma, und in der Antike wurde es mit Kompression behandelt. Auch wenn in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts noch das operative Umwickeln Mode war, setzten sich zunehmend die heute üblichen Prothesen und Stunts durch.